Zwischen Blut- und Telefonabnehmen

Ärztekasse

Die Medizinische Praxisassistentin (MPA) ist Herz und Seele jeder Arztpraxis. In ihrer Hauptrolle im anspruchsvollen Stück zwischen Blut- und Telefonabnahmen ist sie dankbar um tragende Nebenrollen im Büroalltag einer Arztpraxis.

Die Anforderungen an die MPA in der modernen Arztpraxis sind hoch. An einer Diplomfeier formulierte es die Festrednerin, eine ausbildende Ärztin, einmal so: "Eine freundliche Empfangsdame mit viel Menschen- und Sprachkenntnissen, eine Sekretärin mit technischem Flair, eine Managerin, eine Pharmaassistentin, eine Samariterin, eine Röntgenassistentin, eine Laborantin und obendrein noch eine Diplomatin." Kein Wunder, wird die MPA als Generalistin ausgebildet, wie Bruno Gutknecht, Zentralsekretär des mit 5200 Mitgliedern federführenden Berufsverbands SVA, betont. Dazu gehört Basiswissen in Anatomie, Physiologie, Pathologie und Pharmakologie genau so wie ein guter administrativer Rucksack. "Denn jede Arztpraxis", so Gutknecht, "hat ihre eigene Handschrift."

Administration immer wichtiger

So halten laut Marie-Louise Schönbächler Allgemeinmediziner über 50 tendenziell an der Krankengeschichte (KG) auf Papier fest, während ihre jüngeren Kolleginnen und Kollegen vermehrt auf moderne Ärztesoftware, heisst, die elektronisch erfasste KG setzen und mit der elektronischen Übermittlung von Daten arbeiten. Die gelernte MPA und seit acht Jahren selbständig im Bereich Organisation und Administration von Arztpraxen tätige Spezialistin betont, das Berufsbild der MPA habe sich in den letzten 15 Jahren gewandelt. Die Administration werde immer wichtiger. "Im Berufsalltag der MPA ist die Hälfte der Zeit für die Administration einer Arztpraxis reserviert."

Willkommene Hilfe....

Vor allem für jene Ärzte, die noch mit Papier arbeiteten, falle mehr Büroarbeit an als früher. Ausgelagert werden können hauptsächlich Inkasso, Mahnwesen, Debitorenmanagement und der Informatik-Service. Die Ärztekasse - seit vielen Jahren Partnerin des SVA im Bildungswesen - bietet massgeschneiderte Dienstleistungspakete für die Praxisadministration an.

...aber trotzdem noch viel zu tun

Es bleibt auch so noch genug zu tun im Büro für die viel geforderte MPA. Laut Bruno Gutknecht vom SVA hat etwa das Berichtswesen an Versicherungen oder für die Überweisung von Patienten an Spezialisten in den letzten Jahren massiv zugenommen. Für Entlastung vom Bürokram dankt so manche MPA auch angesichts ständig höherer Anforderungen der Heilmittelkontrollbehörde Swissmedic für den Hygiene- und Sterilbereich sowie die Qualitätskontrolle im Labor.

Bedeutung der Kommunikation wächst

Früher bestand die Arbeit der MPA laut Bruno Gutknecht zu je einem Drittel aus Labor, Sprechstunde und Büro. Heute liegt der Anteil der Laborarbeit noch bei 10 bis 15 Prozent. Dafür ist die Bedeutung der Kommunikation, also der Umgang mit den Patientinnen und Patienten, die heute auch Kunden sind, stark gestiegen. Diabetiker und andere Chronischkranke beispielsweise werden heute mehr und mehr im Rahmen eines Case Managements umfassend betreut. Das verlangt von der MPA die Qualitäten eines Kommunikationsprofis, denn die Kundschaft ist angesichts ihrer Leiden nicht immer die einfachste.

Managementqualitäten gefordert

Zudem gibt es den Trend, dass sich immer mehr Praxen zu Doppel- und Mehrfachpraxen oder ganzen Ärztezentren zusammenschliessen. Das erfordert von der MPA zunehmend Managerqualitäten. Es eröffnen sich neue Tätigkeitsfelder auf Stufe mittleres Kader. Der SVA ist dabei, eine Berufsprüfung mit Eidgenössischem Fachausweis zu schaffen, wie Bruno Gutknecht betont.

Neues Ausbildungsreglement ab 2010

Gegenwärtig wird das geltende Ausbildungsreglement zu einer Bildungsverordnung überarbeitet und dem neuen Berufsbildungsrecht angepasst. Inhaltlich und vom zeitlichen Umfang her wird sich an der Grundbildung wenig ändern. Die Berufsverbände müssen im Rahmen dieser laufenden Arbeiten auch die Möglichkeit für die berufsbegleitende Berufsmatur einführen. "Wie wir das schaffen, wissen wir noch nicht", sagt Bruno Gutknecht.

2000 Lehrstellen

Seit 1996 absolviert die oder der angehende MPA eine dreijährige BBT-Lehre mit eidgenössischem Fähigkeitszeugnis. "Wir können in der Schweiz derzeit etwas über 2000 Lehrstellen für MPA anbieten", rechnet Bruno Gutknecht vor. Jedes Jahr schliessen - inklusive Privatschulabschlüsse - rund 850 MPA ihre Ausbildung ab. Insgesamt erachtet Bruno Gutknecht die Lehrstellensituation zur Zeit als "nicht schlecht". Der Arbeitsmarkt sei, auch dank vieler Wiedereinsteigerinnen, einigermassen gesättigt.

Der Lohn

Der Einstiegslohn für eine/n MPA liegt gemäss den kantonalen Empfehlungen der Ärztegesellschaften bei mindestens 3500 Franken im Monat, in den Kantonen Zürich und Genf bei 4000 Franken. Pro Dienstjahr steigt der Monatslohn nach der Ausbildung um jeweils 100 bis 150 Franken an.

Krasse Sachen

"Als ganz junge Berufsfrau war es schwierig für mich, nach der Arbeit abzuschalten. Denn je nach Praxis siehst du tausend krasse Sachen. Das wichtigste ist, die Probleme der anderen nicht zu deinen eigenen zu machen."
Corinne Greter (28), MPA in einer komplementärmedizinischen Praxis

Unproblematische Stellensuche

"Bei der Stellensuche habe ich kaum einmal Probleme gehabt, es fand sich immer recht rasch eine neue Arbeit. Das finde ich toll."
Nicole Blümli (28), MPA und Lehrmeisterin



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ars medici 7/2007

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