«Wo Geld vorangeht, sind alle Wege offen ...»

Anlagen

... stellte schon William Shakespeare fest. Und wenn Geld auch nicht glücklich macht, bringt es doch meistens mehr Freud als Leid. Es sei denn, man hätte sich verspekuliert und auf die falschen Aktien gesetzt. Was weniger eine Schicksalsfrage als eine Frage des Know-how ist.

René Scheidegger, eidg. dipl. Versicherungsfachmann,
UAP Unabhängiger Allfinanz Partner AG

«Heisser Aktiensommer 2001», «Achtung Börsenfallen!», «Aktien weltweit wieder attraktiv?», «Stehen wir vor der nächsten Rezession?» Bei vielen Anlegern lösen solche Schlagzeilen ein kneippsches Wechselbad der Gefühle aus. Oder auch goethesche Stimmungsschwankungen. Zwischen «himmelhoch jauchzend» und «zum Tode betrübt».

Rosa Brille und Schwarzmalerei

Was ist eigentlich passiert? In den letzten Jahren erlebten wir eine ausgeprägte Aktienhausse. Viele Kurse stiegen in schwindelerregende Höhen. Und dies galt nicht nur für die so genannten Neuen Märkte der Technologie, sondern auch für viele Standardwerte. Gründe dafür waren das niedrige Zinsniveau, der Mangel an Anlagealternativen, der Glaube an stetiges Wirtschaftswachstum sowie der Herdentrieb der Anleger. Immer mehr Kapital suchte nach attraktiven Anlagemöglichkeiten. Sogar die AHV wollte den Zug der Zeit nicht verpassen und begann in Aktien zu investieren. Das alles führte zu einem Nachfrageüberhang und damit zu überhöhten Aktienkursen. Dies bedeutet, dass die Unternehmen gar nicht mehr in der Lage waren, die erwarteten Zuwachsraten zu realisieren. Erst nachdem in den USA die Zinsen mehrfach erhöht worden sind und sich das Wirtschaftswachstum verlangsamt hat, wurden die Anleger allmählich stutzig. Die Skepsis verdrängte die Hochstimmung, und die rosaroten Brillen wurde durch die finsteren Paletten der chronischen Schwarzmaler ersetzt. Im vergangenen Jahr kamen zuerst die Technologieaktien unter die Räder. Und bald wurden auch die Blue Chips nicht mehr verschont. Inzwischen aber haben sich, trotz permanentem Auf und Ab, die meisten Börsenkurse von ihren Tiefstwerten erholt.

Aktien als Longrunner

Auch wenn solche Entwicklungen ernüchternd bis erschreckend wirken mögen - vor allem für jene Anleger, welche die Booms und Baissen der Börse nur vom Hörensagen kennen -, ändert das nichts an der Tatsache, dass Anlagen in Aktien, wenn man sie langfristig betrachtet, nach wie vor erste Wahl bleiben.

Für jene, die nicht nur kurzatmig denken, hat sich demnach wenig geändert. Zwar gab es in den letzten 20 Jahren mehrere kleinere und grössere Crashs. Einen eher grösseren erlebten wir im Herbst 1987, als innert weniger Monaten der Börsenwert der Unternehmungen um mehr als 30 Prozent eingebrochen war. Doch während damals der Dow Jones bei etwa 2700 Punkten lag, ist er inzwischen auf rund 11 000 Punkte geklettert. Trotz aller ökonomischen «ups and downs». Trotz aller börsianischen Irrungen und Wirrungen.

Anlegen als Konsumverzicht

Sind denn Anlagen in Aktien überhaupt zu empfehlen, wenn ihre Werte so grossen Schwankungen unterliegen? Für jeden, der einen Teil seines Vermögens für mehr als zehn Jahre nicht mehr benötigt, heisst die Antwort ganz klar Ja. Warren Buffett, einer der erfolgreichsten Anleger unserer Zeit, hat dazu einmal gesagt, dass, wenn man nicht vorhabe, eine Aktie für zehn Jahre zu besitzen, man sie auch keine zehn Minuten besitzen sollte. Wer also lediglich einen Anlagehorizont von bis zu fünf Jahren hat, sollte seine nicht benötigten Mittel in Obligationen oder in Festgeld anlegen oder sie auf dem Konto belassen.

Da es sich beim Anlegen eigentlich um einen Konsumverzicht oder um einen Konsumaufschub handelt, ist es wichtig, dass das Vermögen den Realwert behält. Sonst wäre es ja klüger, das überschüssige Geld sogleich auszugeben. Damit das gesparte Kapital keine Kaufkraft verliert, muss es allerdings nicht nur die inflationsbedingte Wertverminderung erwirtschaften, sondern auch die Anlagekosten sowie die Steuern, die bis zu 40 Prozent des Zinsertrags ausmachen.

Der Rat des Aristoteles

«Dem Geld darf man nicht nachlaufen, man muss ihm entgegenkommen», sagte Aristoteles. Allerdings nicht der griechische Philosoph, sondern der griechische Reeder Aristoteles Onassis – sicher einer, der es wissen müsste. Wie also gehen sie vor, die klugen Anlegerinnen und Anleger? Ganz gleich, ob viel oder wenig einzusetzen ist, am Anfang steht stets die Finanzplanung. Dabei geht es um die Erfassung und Bewertung der einzelnen Anlageaspekte, also etwa um den zeitlichen Bedarf von Vermögensteilen, die Aufteilung des Kapitals, das individuelle Risikoprofil, die steuerlichen Konsequenzen der einzelnen Anlagen usw. Danach muss eine ausgewogene Diversifikation der Anlage erarbeitet werden, wobei der alte Spruch von den Eiern, die man besser nicht alle im selben Körbchen aufbewahrt, durchaus auch für Aktien gültig ist. Wer nur eine Aktie hat, trägt ein Titelrisiko von 100 Prozent. Wer 20 Aktien besitzt, riskiert pro Titel nur 5 Prozent. Ähnliches gilt für Märkte und Branchen.

Fachkompetenz kontra Risiko

Am einfachsten erreicht man eine ausgewogene Risikoverteilung mit Anlagefonds. Hier lässt sich bereits mit einem kleinen Vermögen eine große Diversifikation erzielen. Wobei allerdings stets zu bedenken ist, dass es grundsätzlich keine risikolosen Anlagen gibt. Denn sogar Bundesobligationen sind nur so lange sichere Werte, als der Staat genügend Steuern kassiert, um seine Schulden finanzieren zu können.

Auch deshalb ist zu empfehlen, sich beim Aufbau einer Anlage fachkompetent beraten zu lassen. Wobei auch bestehende Portefeuilles regelmässig überprüft werden sollten. Nicht nur im Hinblick auf ihre Zusammensetzung, sondern auch in Bezug auf die allenfalls veränderte Risikotoleranz und Steuersituation.

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