«Am Puls der ärztlichen Praxis ...»

Berufsbildung

Wie steht’s um die berufliche Bildung von Mitarbeiterinnen für Arztpraxen? Darüber hat «checkup« ein Gespräch mit Werner Klumpp geführt, dem Leiter der Zürcher Berit-Exbit-Schulen. Das renommierte Spezialinstitut für die Aus- und Weiterbildung medizinischer Praxisassistentinnen hat kürzlich MediWin CB Pro, das Praxisadministrationsprogramm der Ärztekasse, als offizielles Lehrmittel eingeführt.

«checkup»: Wie sehen zurzeit die beruflichen Aussichten für MPAs, für medizinische Praxisassistentinnen, aus?

Werner Klumpp: Die Aussichten sind durchwegs positiv. In unserer Stellenbörse (www.medpers.ch) werden schon seit langer Zeit immer etwa 80 Arbeitsplätze angeboten - weit mehr, als es Stellensuchende gibt. Und das betrifft nur die Region Zürich.

«checkup»: Wie viele MPAs werden denn jährlich ausgebildet?

Werner Klumpp: In unserem Zuständigkeitsgebiet, zu dem die Kantone Zürich, Schaffhausen, Schwyz und Glarus zählen, werden jedes Jahr etwa 180 MPAs diplomiert, was immer noch zu wenig ist. Dieser Mangel ist vor allem darauf zurückzuführen, dass seit 1996, nach Unterstellung der MPA-Ausbildung unter das Bundesamt für Berufsbildung und Technologie (BBT), viel zu wenig Lehrstellen vorhanden waren.

«checkup»: Gibt es denn heute noch kantonale Unterschiede in der Ausbildung?

Werner Klumpp: Kantonale Unterschiede gibt es nur noch in Bezug auf die Aufteilung der schulischen Ausbildung über die drei Lehrjahre hinweg. Die Ausbildungsprogramme sowie die Anforderungen bei den Lehrabschlussprüfungen zur Erlangung des eidgenössischen Fähigkeitsausweises als MPA sind jedoch seit 1996 im ganzen Land identisch. Und zwar gilt das für beide Berufsbildungswege, also für die MPA-Lehre wie für die MPA-Ausbildung via Schule und Praktikum. Beide Ausbildungsgänge dauern drei Jahre, wobei der schulische Unterricht in der Lehre in zwei Bereiche aufgeteilt ist. Der eine Bereich umfasst den allgemeinen Berufsschulunterricht, für den, wie auch bei allen anderen BBT-Berufen, Bund und Kantone zuständig sind. Der andere Bereich betrifft die so genannten Einführungskurse, die den praktischen Unterricht für Labor, Röntgen sowie für die Sprechstundenmithilfe beinhalten. Für deren Durchführung und Finanzierung sind die Arbeitnehmerorganisationen zuständig, also die kantonalen Ärztegesellschaften.

«checkup»: Und der zweite Ausbildungsweg?

Werner Klumpp: Der entspricht grundsätzlich jener alten privaten Form, in der früher die Arztgehilfinnen ausgebildet worden sind. Nur dass dies jetzt durch das Berufsbildungsgesetz sehr detailliert geregelt ist. Diese Ausbildung, die im Unterschied zur Lehre von den Schülerinnen oder von deren Eltern finanziert werden muss, beginnt mit einer anderthalbjährigen Schulzeit, an die sich dann ein einjähriges Praktikum und schliesslich noch einmal sechs Schulmonate anschliessen, wobei die Anforderungen und Abschlussprüfungen genau die gleichen wie bei der Lehre sind.

«checkup»: Ihr Institut ist also gleichzeitig eine private Ausbildungsstätte und eine offizielle Berufsschule für MPA-Lehrlinge?

Werner Klumpp: Ja, diese zweite Funktion ist dem Verein für Berufsschulausbildung der medizinischen Praxisassistentinnen (BmP), dem neben den Berit-Exbit-Schulen die Juventus- und Woodtli-Schulen angeschlossen sind, vom Kanton Zürich übertragen worden. Der gleiche Auftrag wurde von der Ärztegesellschaft Zürich für die Einführungskurse sowie für die praktische Ausbildung in den Fächern Labor, Röntgen und Sprechstundenmithilfe erteilt, weil die drei Schulen über das entsprechende Know-how und über die notwendige Infrastruktur verfügten, mit Labors, Röntgeneinrichtungen, Computerarbeitsplätzen usw. Doch gibt es Kantone, wie zum Beispiel den Aargau, wo die theoretische Ausbildung der MPA-Lehrlinge in der öffentlichen Berufsschule stattfindet.

«checkup»: Warum hält man denn überhaupt an diesen zweigleisigen Ausbildungswegen fest?

Werner Klumpp: Diese beiden Wege gab es bereits, bevor die MPA-Ausbildung dem BBT unterstellt wurde. Vor 1996 wurden etwa 95 Prozent auf dem Weg Schule-Praktikum und rund 5 Prozent auf dem Weg Lehre ausgebildet. Da ab 1996, nach Unterstellung unter das BBT, zu wenig Lehrstellen vorhanden waren, haben sich die drei Zürcher Institute entschlossen, die schulische Ausbildung ebenfalls anzubieten.

«checkup»: Hat sich das Selbstverständnis der medizinischen Praxisassistentinnen verändert, seit sie nicht mehr Arztgehilfinnen sind?

Werner Klumpp: Ja, eindeutig. Dieses Selbstverständnis ist zweifellos selbstbewusster geworden. Und auch das Image des Berufs hat heute nicht mehr diesen Gehilfencharakter. Was aber natürlich nicht nur mit der geänderten Berufsbezeichnung zu tun hat, sondern vor allem mit den zunehmenden Anforderungen, die heute an die fachlichen und sozialen Fähigkeiten einer MPA gestellt werden, die ja eigentlich auch weit mehr als eine Assistentin ist. Denn in verschiedenen Tätigkeitsbereichen, wie zum Beispiel dem Labor oder auch der Praxisadministration, geht es ja nicht nur um ein Assistieren, sondern um ein ausgesprochen selbständiges Arbeiten.

«checkup»: Apropos Praxisadministration: Sie haben sich entschlossen, alle MPAs künftig auf MediWin CB Pro auszubilden, dem neuen Abrechnungsprogramm der Ärztekasse. Warum?

Werner Klumpp: Weil heute bereits die Mehrzahl der Arztpraxen mit diesem ausgesprochen anwenderfreundlichen und rundum Tarmed-kompatiblen Programm zur Leistungserfassung und Abrechnung arbeiten. Und weil uns die Qualität dieses Produkts von A bis Z überzeugt hat. Da wird deutlich, dass hier Leute am Werk waren, die bei der Programmentwicklung nicht nur von den Anforderungen ausgegangen sind, die von einer modernen Administration an die Informatik gestellt werden, sondern ebenso von den Bedürfnissen der Medizin im alltäglichen Praxisbetrieb. Dazu kommt, dass wir die Ärztekasse als einen Partner kennen, von dessen Service und Kompetenz wir nur profitieren können. Zum Beispiel auch dadurch, dass unsere Lehrkräfte vor Beginn jedes Ausbildungsgangs von den Experten der Ärztekasse über aktuelle Entwicklungen informiert und instruiert werden. Auf diese Weise ist es uns möglich, mit unserem Unterricht immer am Puls der Praxis zu sein.

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