Die Sorge um die Vorsorge

Vorsorge

Ob mit den Schlagzeilen vom «Rentenklau» oder vom «Pulverfass Pensionskasse» - unsere Vorsorgeeinrichtungen sind ins Gerede geraten. Auch wenn kein Grund zur Panik besteht, so ist es sicher angebracht, wenn auch Ärztinnen und Ärzte - als Arbeitnehmer, als Arbeitgeber - sich in diesem Zusammenhang einige Grundsatzfragen stellen.

René Scheidegger, eidg. dipl. Versicherungsfachmann,
UAP Unabhängiger Allfinanz Partner AG

Im vergangenen Jahr hat der Bundesrat über den Mindestzinssatz für die berufliche Vorsorge laut nachgedacht und kam dabei schliesslich zum Ergebnis, den Minimalzinssatz von 4 auf 3 Prozent zu senken. Dieses Vorhaben hat umgehend zu heftigen Protesten geführt. Man warf der Landesregierung vor, sie habe der Lobby der Versicherungsgesellschaften auf Kosten der Versicherten nachgegeben. Boulevardpresse und Gewerkschaften schrieben und sprachen sogar von einem «Rentenklau».

Von der Realität überholt

Da man den Zinssatz in den wirtschaftlich guten Jahren ja auch nicht angehoben hätte, sei es somit nur logisch, ihn in den schlechten Jahren auch nicht zu senken, lautete die Argumentation. Danach hat dann der Bundesrat die Reduktion der Verzinsung der Vorsorgeguthaben statt auf 3 auf 3,25 Prozent festgesetzt - eine Massnahme, die inzwischen von der Realität nicht nur eingeholt, sondern weit überholt worden ist. Denn heute wird in den Medien nicht nur über den «Sanierungsfall Pensionskasse» spekuliert, sondern auch über die Frage, ob wir nicht bald einmal mit einem Zinssatz von 0 Prozent zu rechnen hätten oder sogar mit einem Negativzins. Von diesen Entwicklungen ist natürlich auch die Ärzteschaft betroffen - als Versicherte in einer BVG-Lösung oder auch als Arbeitgeber.

Veränderte Verhältnisse

In den Vorsorgeausweisen, die den Versicherten kürzlich zugestellt wurden, hat das aufgeführte «rechnerische Alterskapital mit Zins» gegenüber dem Vorjahr zum Teil massiv abgenommen. Also doch - trotz aller Dementis - ein veritabler Rentenklau?

Dazu ein kleiner Exkurs in die grundsätzlichen Gefilde des Themas: Die BVG-Vorsorgestiftungen nehmen die von Arbeitnehmern und Arbeitgebern einbezahlten Gelder entgegen, verwalten und verzinsen sie, um sie später den Mitarbeitern wieder zur Verfügung zu stellen - als Alters-, Witwen- und Invalidenrenten oder auch als Kapital. Die Verzinsung der einbezahlten Beiträge ist seit der Inkraftsetzung des Beruflichen Vorsorgegesetzes (BVG) am 1.1.1985 mit mindestens 4,0 Prozent gesetzlich vorgeschrieben. Das ist, in aller Kürze, das Grundkonzept der zweiten Säule.

Inzwischen aber hat der Kapitalmarkt mehrere massive Veränderungen erfahren. Seit bald zehn Jahren bewegen sich die Zinsen auf den internationalen wie auch auf den schweizerischen Geldmärkten auf sehr tiefem Niveau. Dabei ist weder kurz- noch mittelfristig eine Besserung in Sicht - im Gegenteil, es ist anzunehmen, dass die Zinsen auch längerfristig tief bleiben werden. Das bedeutet, dass die BVG-Stiftungen die ihnen anvertrauten Gelder schon seit mehreren Jahren nicht mehr in Obligationen zu mindestens 4 Prozent anlegen konnten und dies auch in Zukunft nicht tun können.

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