Steuern sparen dank zweiter Säule?

Steuern

Alle Jahre wieder gibt es Streit um die zweite Säule. Letztes Jahr war es die Senkung des Mindestzinssatzes, welche die Gemüter erhitzte. Jetzt ist es das «Winterthurer Modell», das für rote Köpfe sorgt.

René Scheidegger, eidg. dipl. Versicherungsfachmann, UAP Unabhängiger Allfinanz Partner AG

Neben massiven Erhöhungen bei den Risikoprämien und den Verwaltungskosten wurde beim «Winterthurer Modell» auch der Umwandlungssatz von Alterskapitalien in Altersrenten gesenkt. Dies führte dazu, dass bei einigen Versicherungsgesellschaften der Umwandlungssatz von 7,2 Prozent nur noch auf den BVG-Altersguthaben gilt. Auf dem Kapital, welches das BVG-Obligatorium übersteigt, wird dagegen mit weniger als 6 Prozent umgewandelt. Das hat zwar eine Protestwelle ausgelöst, die aber bisher folgenlos blieb.

Riskantes Rosinenpicken

Bedingungen, die neben den Realitäten des Marktes stehen, verschwinden von alleine, da ja keine staatlichen Subventionen an die BVG-Versicherer gezahlt werden. Diese haben aber nun eher über das Sicherheitsziel hinausgeschossen und allzu drastische Sparmassnahmen ergriffen. Aber auch das wird der Markt korrigieren. Bereits gibt es neue Sammelstiftungen, die versuchen, durch «Rosinenepickerei» einen möglichst risikoarmen Versichertenbestand aufzubauen. Doch alle wälzen dabei das Anlagerisiko auf die Versicherten ab. Zudem kauft man hier, was die Betreuungs- und Verwaltungsqualität sowie die Entwicklung der Risikoprämie betrifft, die Katze im Sack. Somit werden diese neuen Stiftungen nur dann bessere Karten haben, wenn sich die Anlagemärkte positiv entwickeln, wobei man so oder so davon ausgehen kann, dass die Kosten der beruflichen Vorsorge in absehbarer Zeit nicht sinken werden.

Relativiertes Steuersparen

Vor diesem Hintergrund stellt sich die Frage, ob man auch weiterhin Einkäufe von fehlenden Beitragsjahren in die zweite Säule tätigen soll. Es wird dabei immer wieder auf die grossen Steuerersparnisse hingewiesen. So auch in einem Artikel, der kürzlich in einem der Ärzteschaft nahe stehenden Journal erschienen ist. Doch wurde darin leider versäumt, auf die Besteuerung der Einkaufsgelder bei ihrer Auszahlung hinzuweisen. Dabei liegt der entsprechende Steuersatz bei Auszahlungen von mehr als einer Million Franken in mehreren Kantonen bei über 21 Prozent und die Steuerprogression sogar bei 30 Prozent. Deshalb ist es wichtig, dass nur jener Teil des Einkommens gesenkt wird, der auch eine echte Steuerersparnis gewährleistet. Zudem wird wegen des Steuervorteils oft zu wenig auf die Rendite der Anlagen geachtet, obwohl es da durchaus steuerschonende Möglichkeiten mit guten Renditen gibt. Auch kann es sein, dass Nachkommen nicht vollumfänglich von den in die Pensionskasse eingezahlten Geldern profitieren können oder dass die in der beruflichen Vorsorge enthaltene Risikoversicherung gar nicht benötigt wird.

Reduzierter Anlageertrag

Schliesslich kommt dazu, dass bei Einkäufen in Vorsorgeeinrichtungen, die eine Unterdeckung aufweisen, Ihr Geld entwertet wird. In der Börsensprache heisst das «Verwässerung». Eine Einzahlung von 100 Prozent ist in der Bilanz dann zum Beispiel nur noch 92 Prozent wert. Dies bedeutet, dass höhere Anlageerträge zuerst zum Ausgleich der Unterdeckung verwendet werden und nicht für eine höhere Verzinsung Ihres Geldes. Das heisst, dass Sie auch dann, wenn eine solche Kasse um 1 Prozent besser rentiert als eine klassische Versicherung, über zehn Jahre warten müssen, bis auf dem Kapital, das für den Einkauf benötigt wurde, wieder ein Mehrertrag entsteht.

Aus all diesen Gründen ist es ratsam, sich beim Beitritt in eine Pensionskassen und beim Einkauf fehlender Beitragsjahre nicht von kurzfristigen Steuervorteilen blenden, sondern sich zuvor umfassend und unabhängig beraten zu lassen.


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