«Das Endziel heisst Kostenwahrheit»
TrustCenter
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Wie sehen die ersten Betriebserfahrungen eines TrustCenters aus? Darüber befragte «checkup» Dr. med. Hans-Werner Leibundgut, den Verwaltungsratspräsidenten des Berner TrustCenters PonteNova, der in Müntschemier eine Praxis als Facharzt für Allgemeinmedizin führt.
«checkup»: Wo konkret liegt denn eigentlich mein Vorteil, wenn ich einem TrustCenter beitrete?
Dr. Leibundgut: Der Vorteil liegt zunächst darin, dass der Anschluss an ein TrustCenter weitgehend Gewähr dafür bietet, die angelaufene Kostenneutralitätsphase des neuen Tarifs erfolgreich zu bestehen - das heisst, ohne dass es für mich oder meine Fachgesellschaft ernsthafte Probleme gibt. Denn wenn ich meine Abrechnungsdaten ans TrustCenter übermittle, werden sie mir in regelmässigen Abständen gewissermassen zurückgespiegelt, und zwar zusammen mit den anonymisierten Daten meiner Fachkolleginnen und -kollegen. Das heisst, dass ich dank diesem so genannten Praxisspiegel meine Tarifanwendung mit jener der Kollegen vergleichen kann. Und wenn ich dann sehe, dass ich in einem bestimmten Behandlungsspektrum in einer Abweichung von soundsoviel Prozent über oder unter dem Durchschnitt liege, werde ich nach den Gründen fragen und allenfalls Massnahmen ergreifen.
Was allerdings voraussetzt, dass ich mich nicht für unfehlbar halte, sondern meine Arbeit und meinen Praxisspiegel auch selbstkritisch zu betrachten wage.
Ganz genau. Und das ist eine neue Herausforderung an unsere Selbstverantwortung. Denn wenn wir das Postulat der Kostenneutralität und der Datenparität wirklich ernst nehmen wollen, setzt dies unsere konsequente Ehrlichkeit voraus.
Abgesehen von solchen grundsätzlichen Fragen des ärztlichen Selbstverständnisses - wie sehen denn die alltäglichen Probleme aus, bei deren Lösung mir der Praxisspiegel behilflich sein kann?
Zu den häufigsten Diskussionspunkten beim Tarmed gehören die Notfallkonsultationen und die damit verbundenen Zuschläge. Deshalb wird es mich sicher interessieren, wie deren Anwendung von anderen gehandhabt wird. Weitere viel besprochene Bereiche betreffen die Beanspruchung des Röntgens und des Labors. Auch hier habe ich dank dem Praxisspiegel die Möglichkeit, jede einzelne Tarmed-Position mit den Daten der Fachkollegen zu vergleichen. Wobei ich den Detaillierungsgrad des Vergleichs selber bestimmen und zum Beispiel auch nur die Tarmed-Minuten pro Tag oder die ärztlichen Leistungen pro Monat anschauen und analysieren kann.
In welcher Form erhalte ich denn die Informationen über das, was die Kolleginnen und Kollegen tun?
Diese Informationen werden vom Praxisspiegel natürlich nicht in Form eines Zahlenfriedhofs präsentiert, sondern als übersichtliche grafische Darstellungen: links auf dem Bildschirm das Porträt der eigenen Praxis, rechts daneben jenes des Vergleichskollektivs.
Und wenn ich auf den Anschluss ans TrustCenter und auf den Service des Praxisspiegels verzichte, da ich ja bisher auch ohne sie ganz gut ausgekommen bin?
Dann werde ich mich während der Kostenneutralitätsphase, die immerhin anderthalb Jahre dauert, etwa wie bei einer Fahrt ins Blaue oder bei einem Blindflug fühlen - ohne Orientierung, ohne Ahnung, wo ich stehe. Und das erhöht natürlich die Gefahr, dass ich bei der Handhabung des Tarmed überschiessen werde - was sich in jedem Fall negativ auswirken wird. Abgesehen davon ermöglicht uns der Praxisspiegel, den tatsächlichen Aufwand zu dokumentieren und zum Beispiel bei einem Rückforderungsbegehren einer Krankenkasse nachzuweisen, dass man nicht überarztet hat. Während wir früher in solchen Konflikten unsere Argumente nur deklarieren, nicht aber beweisen konnten, sind wir jetzt in der Lage, sie mit eigenen Belegen zu untermauern - allerdings eben nur dann, wenn wir einem TrustCenter beigetreten sind.
Was sind denn die Gründe jener Ärzte, die einen Beitritt ablehnen?
Bei der Mehrzahl besteht der Grund darin, dass man einfach noch keine Zeit gefunden hatte, sich mit dem Thema zu befassen. Dann gibt es natürlich Bedenken in Bezug auf den Datenschutz, die wir aber in der Regel ausräumen können. Und schliesslich gibt es jene, die sich auf den Standpunkt stellen, erst dann einem TrustCenter beizutreten, wenn auch die veranlassten Kosten - wie etwa Physiotherapien und Medikamente - erfasst werden. Wofür ich viel Verständnis habe - denn das ist letztlich auch unser Ziel.
Ob mit oder ohne veranlasste Kosten, das TrustCenter wird doch nur dann funktionieren, wenn die Daten, die gesammelt und ausgewertet werden, tatsächlich repräsentativ sind.
Ja, das ist richtig. Nach den Grundlagen der Statistik müssen sich etwas mehr als die Hälfte der Ärzte beteiligen, damit wir zu repräsentativen Daten kommen. Was in unserem Falle, also im Kanton Bern, sehr positiv aussieht. Denn von den rund 1800 kantonalen Praxen zählen bereits heute über 800 zu unseren Kunden. Wobei ich davon ausgehe, dass wir die angestrebte Zahl von 900 bis 1000 Ärztinnen und Ärzte im Laufe des ersten Halbjahrs 2004 erreicht haben werden.
Apropos PonteNova - das tönt ja reichlich programmatisch ...
... ja, das ist auch durchaus so gemeint. Wir wollen wirklich neue Brücken bauen. Im Moment sind wir an den Brücken zwischen den Arztpraxen und dem TrustCenter und zwischen dem TrustCenter und den Versicherern. Eine weitere wichtige Brücke verbindet uns mit der Ärztekasse, mit der wir eng zusammenarbeiten.
Wie kam es denn zu dieser Kooperation?
Es kam dazu, weil wir gegenseitig früh erkannten, dass wir schneller weiterkommen, wenn wir konstruktiv zusammenarbeiten. Und inzwischen hat es sich auch bestätigt, dass wir als TrustCenter von der grossen Erfahrung der Ärztekasse vielfältig profitieren können. Nicht nur was ihre einmalige Kompetenz in Tariffragen - zum Beispiel in den Verhandlungen mit den Krankenkassen - betrifft, sondern auch in Bezug auf ihr professionelles Know-how in den Bereichen Organisation und Kommunikation.
Wie haben denn die Versicherer auf die TrustCenter-Initiative reagiert?
Eigentlich sehr positiv - wobei das Verhältnis zwischen der Ärzteschaft und den Krankenkassen in unserem Kanton schon immer relativ gut gewesen ist. Natürlich sieht man bei den Versicherern das Sparpotential, das in unserer Datensammlung steckt, die ja eindeutig repräsentativer als jene der Santésuisse ist.
Weshalb repräsentativer?
Weil ja etwa 15 Prozent der Rechnungen von den Patienten selber bezahlt werden - Tendenz steigend. Wobei die Daten dieser Fakturen den Versicherern verborgen bleiben - im Gegensatz zu den TrustCentern, die ja alle Arztrechnungen zur Auswertung erhalten, also auch die kleinen. Und die sind ebenso wichtig wie die grossen, um ein authentisches Gesamtbild zu erhalten.
Wo sehen Sie denn das Endziel der Kooperation zwischen der Ärzteschaft und den Krankenkassen?
Das Endziel heisst Kostenwahrheit. Doch zur vollständigen Kostenwahrheit werden wir nur mit einem gemeinsamen Datenpool kommen können. Ein Ziel, dessen Erreichen nicht nur aus betriebswirtschaftlichen, sondern vor allem auch aus volkswirtschaftlichen Gründen immer wichtiger wird.
Dr. Leibundgut: Der Vorteil liegt zunächst darin, dass der Anschluss an ein TrustCenter weitgehend Gewähr dafür bietet, die angelaufene Kostenneutralitätsphase des neuen Tarifs erfolgreich zu bestehen - das heisst, ohne dass es für mich oder meine Fachgesellschaft ernsthafte Probleme gibt. Denn wenn ich meine Abrechnungsdaten ans TrustCenter übermittle, werden sie mir in regelmässigen Abständen gewissermassen zurückgespiegelt, und zwar zusammen mit den anonymisierten Daten meiner Fachkolleginnen und -kollegen. Das heisst, dass ich dank diesem so genannten Praxisspiegel meine Tarifanwendung mit jener der Kollegen vergleichen kann. Und wenn ich dann sehe, dass ich in einem bestimmten Behandlungsspektrum in einer Abweichung von soundsoviel Prozent über oder unter dem Durchschnitt liege, werde ich nach den Gründen fragen und allenfalls Massnahmen ergreifen.
Was allerdings voraussetzt, dass ich mich nicht für unfehlbar halte, sondern meine Arbeit und meinen Praxisspiegel auch selbstkritisch zu betrachten wage.
Ganz genau. Und das ist eine neue Herausforderung an unsere Selbstverantwortung. Denn wenn wir das Postulat der Kostenneutralität und der Datenparität wirklich ernst nehmen wollen, setzt dies unsere konsequente Ehrlichkeit voraus.
Abgesehen von solchen grundsätzlichen Fragen des ärztlichen Selbstverständnisses - wie sehen denn die alltäglichen Probleme aus, bei deren Lösung mir der Praxisspiegel behilflich sein kann?
Zu den häufigsten Diskussionspunkten beim Tarmed gehören die Notfallkonsultationen und die damit verbundenen Zuschläge. Deshalb wird es mich sicher interessieren, wie deren Anwendung von anderen gehandhabt wird. Weitere viel besprochene Bereiche betreffen die Beanspruchung des Röntgens und des Labors. Auch hier habe ich dank dem Praxisspiegel die Möglichkeit, jede einzelne Tarmed-Position mit den Daten der Fachkollegen zu vergleichen. Wobei ich den Detaillierungsgrad des Vergleichs selber bestimmen und zum Beispiel auch nur die Tarmed-Minuten pro Tag oder die ärztlichen Leistungen pro Monat anschauen und analysieren kann.
In welcher Form erhalte ich denn die Informationen über das, was die Kolleginnen und Kollegen tun?
Diese Informationen werden vom Praxisspiegel natürlich nicht in Form eines Zahlenfriedhofs präsentiert, sondern als übersichtliche grafische Darstellungen: links auf dem Bildschirm das Porträt der eigenen Praxis, rechts daneben jenes des Vergleichskollektivs.
Und wenn ich auf den Anschluss ans TrustCenter und auf den Service des Praxisspiegels verzichte, da ich ja bisher auch ohne sie ganz gut ausgekommen bin?
Dann werde ich mich während der Kostenneutralitätsphase, die immerhin anderthalb Jahre dauert, etwa wie bei einer Fahrt ins Blaue oder bei einem Blindflug fühlen - ohne Orientierung, ohne Ahnung, wo ich stehe. Und das erhöht natürlich die Gefahr, dass ich bei der Handhabung des Tarmed überschiessen werde - was sich in jedem Fall negativ auswirken wird. Abgesehen davon ermöglicht uns der Praxisspiegel, den tatsächlichen Aufwand zu dokumentieren und zum Beispiel bei einem Rückforderungsbegehren einer Krankenkasse nachzuweisen, dass man nicht überarztet hat. Während wir früher in solchen Konflikten unsere Argumente nur deklarieren, nicht aber beweisen konnten, sind wir jetzt in der Lage, sie mit eigenen Belegen zu untermauern - allerdings eben nur dann, wenn wir einem TrustCenter beigetreten sind.
Was sind denn die Gründe jener Ärzte, die einen Beitritt ablehnen?
Bei der Mehrzahl besteht der Grund darin, dass man einfach noch keine Zeit gefunden hatte, sich mit dem Thema zu befassen. Dann gibt es natürlich Bedenken in Bezug auf den Datenschutz, die wir aber in der Regel ausräumen können. Und schliesslich gibt es jene, die sich auf den Standpunkt stellen, erst dann einem TrustCenter beizutreten, wenn auch die veranlassten Kosten - wie etwa Physiotherapien und Medikamente - erfasst werden. Wofür ich viel Verständnis habe - denn das ist letztlich auch unser Ziel.
Ob mit oder ohne veranlasste Kosten, das TrustCenter wird doch nur dann funktionieren, wenn die Daten, die gesammelt und ausgewertet werden, tatsächlich repräsentativ sind.
Ja, das ist richtig. Nach den Grundlagen der Statistik müssen sich etwas mehr als die Hälfte der Ärzte beteiligen, damit wir zu repräsentativen Daten kommen. Was in unserem Falle, also im Kanton Bern, sehr positiv aussieht. Denn von den rund 1800 kantonalen Praxen zählen bereits heute über 800 zu unseren Kunden. Wobei ich davon ausgehe, dass wir die angestrebte Zahl von 900 bis 1000 Ärztinnen und Ärzte im Laufe des ersten Halbjahrs 2004 erreicht haben werden.
Apropos PonteNova - das tönt ja reichlich programmatisch ...
... ja, das ist auch durchaus so gemeint. Wir wollen wirklich neue Brücken bauen. Im Moment sind wir an den Brücken zwischen den Arztpraxen und dem TrustCenter und zwischen dem TrustCenter und den Versicherern. Eine weitere wichtige Brücke verbindet uns mit der Ärztekasse, mit der wir eng zusammenarbeiten.
Wie kam es denn zu dieser Kooperation?
Es kam dazu, weil wir gegenseitig früh erkannten, dass wir schneller weiterkommen, wenn wir konstruktiv zusammenarbeiten. Und inzwischen hat es sich auch bestätigt, dass wir als TrustCenter von der grossen Erfahrung der Ärztekasse vielfältig profitieren können. Nicht nur was ihre einmalige Kompetenz in Tariffragen - zum Beispiel in den Verhandlungen mit den Krankenkassen - betrifft, sondern auch in Bezug auf ihr professionelles Know-how in den Bereichen Organisation und Kommunikation.
Wie haben denn die Versicherer auf die TrustCenter-Initiative reagiert?
Eigentlich sehr positiv - wobei das Verhältnis zwischen der Ärzteschaft und den Krankenkassen in unserem Kanton schon immer relativ gut gewesen ist. Natürlich sieht man bei den Versicherern das Sparpotential, das in unserer Datensammlung steckt, die ja eindeutig repräsentativer als jene der Santésuisse ist.
Weshalb repräsentativer?
Weil ja etwa 15 Prozent der Rechnungen von den Patienten selber bezahlt werden - Tendenz steigend. Wobei die Daten dieser Fakturen den Versicherern verborgen bleiben - im Gegensatz zu den TrustCentern, die ja alle Arztrechnungen zur Auswertung erhalten, also auch die kleinen. Und die sind ebenso wichtig wie die grossen, um ein authentisches Gesamtbild zu erhalten.
Wo sehen Sie denn das Endziel der Kooperation zwischen der Ärzteschaft und den Krankenkassen?
Das Endziel heisst Kostenwahrheit. Doch zur vollständigen Kostenwahrheit werden wir nur mit einem gemeinsamen Datenpool kommen können. Ein Ziel, dessen Erreichen nicht nur aus betriebswirtschaftlichen, sondern vor allem auch aus volkswirtschaftlichen Gründen immer wichtiger wird.
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