«Der Hauptvorteil heisst Transparenz ...»

Tarmed

Wie ist man in der ärztlichen Praxis mit dem Tarmed-Start zurechtgekommen? Dazu hat «checkup» Dr. med. Jürg Schlup befragt, den Präsidenten der Ärztegesellschaft des Kantons Bern, der in Zollikofen eine Praxis für Hausarztmedizin führt, gemeinsam mit einem Internisten.

«checkup»: Wie ist die Premiere des neuen Tarifs in Ihrer Praxis über die Bühne gegangen?

Dr. Schlup: Eigentlich hat alles bestens geklappt. Allerdings haben wir uns auch intensiv auf den Tarmed-Start vorbereitet – natürlich nicht nur in unserer Praxis, sondern im ganzen Kanton Bern. Zunächst mit einer Reihe von Kursen, welche die Ärztegesellschaft in Zusammenarbeit mit der Ärztekasse durchgeführt hat. Diese Tarifinformationen, zu denen auch die Herausgabe einer Instruktions-CD gehörte, wurden von etwa 700 Kolleginnen und Kollegen besucht – angesichts der rund 1900 praktizierenden unter unseren Mitgliedern eine doch recht beachtliche Zahl. Was die Tarmed-Vorbereitung in unserer Praxis betrifft, so erhielten wir im vergangenen Dezember von der Ärztekasse ein Update des Administrationsprogramms, das es möglich machte, sowohl mit dem alten als auch mit dem neuen Tarif parallel zu arbeiten – eine relativ anspruchsvolle Angelegenheit.

Und das hat funktioniert?

Vor allem dank dem professionellen Support der Ärztekasse hat das vorzüglich funktioniert – und dies trotz dem grossen Unterschied zwischen dem Tarmed und unserem alten Berner Blocktarif. Dieser war so einfach konzipiert, dass zum Beispiel eine Praxis wie unsere mit etwa zwanzig Positionen ausgekommen ist, während wir jetzt mindestens hundert benötigen - obwohl wir uns sehr darum bemühten, diese Zahl so klein als möglich zu halten.

Dann bedeutet der Tarmed doch eine ziemliche Umstellung für den ärztlichen Praxisalltag?

Ja. Und für uns Berner ist diese Umstellung besonders gross, da unser alter Tarif ungefähr das Gegenteil des filigran geschaffenen Tarmed war und es durchaus erlaubte, ein Dutzend Leistungen mit einer einzigen Position abzubilden. Dennoch hat es sich bereits gezeigt, dass der Tarmed durchaus brauchbar ist, trotz verschiedenen Fragen, die im Moment noch nicht gelöst sind ...

... zum Beispiel?

Dazu zählen etwa die tarifliche Behandlung von gewissen chirurgischen Tätigkeiten, Limitationen und elektronischer Datentransfer sowie die Blutentnahme. Allerdings sind das alles keine dramatischen Probleme, eher Kinderkrankheiten, die sich therapieren lassen.

Können Sie bereits beurteilen, wie sich der Tarmed in Ihrer
Praxis auf der Aufwandseite auswirken wird?


Da wesentlich mehr Positionen als bisher zu berücksichtigen sind, gibt es natürlich Mehrarbeit, deren Umfang mir allerdings vertretbar erscheint. Der ständig steigende Administrationsaufwand, der zuweilen dazu führt, dass der Arzt fast häufiger mit Papierkram als mit Patienten beschäftigt ist, hat jedenfalls nicht nur mit dem neuen Tarif zu tun, sondern mit einem allgemeinen Trend zum Kontrollieren und Bürokratisieren.

Wo sehen Sie denn die Vorteile des neuen Tarifs?

Der Hauptvorteil heisst Transparenz. Und die kann uns nur zugute kommen. Weil dadurch zum Beispiel sichtbar wird, was die Ärzteschaft eigentlich leistet.

Wie beurteilen Sie die Problematik der Datensicherheit?

Hier zeigt sich die Kehrseite der Transparenz. Denn je differenzierter die Daten sind und je umfangreicher der Datenfluss, umso höhere Ansprüche müssen an den Datenschutz gestellt werden - insbesondere im Diagnosebereich. Doch auch diese Probleme scheinen mir durchaus lösbar zu sein.

Was meinen Sie, wie sich die erhöhte Transparenz auf das Verhältnis zu den Versicherern auswirken wird?

Sie wird sich zweifellos positiv auswirken. Davon bin ich überzeugt. Denn nur unter transparenten Verhältnissen wird sich jenes Vertrauen entwickeln können, das für eine partnerschaftliche Zusammenarbeit eine unabdingbare Voraussetzung ist.


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