Das Traktandum Trust Center

TrustCenter

Landauf, landab entstehen sie - nicht zuletzt mit Hilfe der Ärztekasse - die regionalen Datensammelstellen, die so genannten TrustCenter. Zur Herstellung von Transparenz. Und - nomen est omen - von Vertrauen. Auf dass die Schweizer Ärzteschaft endlich in der Lage sei, selbst über die eigenen Daten zu verfügen. Was immer wichtiger werden wird. Vor allem auch im Hinblick auf Tarmed.

Philip Baumann, lic. oec. publ.
VR-Delegierter Newindex AG

Die Einführung des Tarmed ist mit gewichtigen politischen Auflagen verbunden. Für deren Erfüllung hat die von den kantonalen Ärztegesellschaften, der FMH und der Ärztekasse aufgebaute Firma Newindex wesentliche Vorarbeiten geleistet. Von zentraler Bedeutung sind dabei folgende Faktoren:

  • die Ermittlung kostenneutraler Start-Taxpunktwerte auf der
Basis der heutigen Abrechnungsdaten,

  • die Einhaltung der Kostenneutralität als politische und
vertragliche Vorgabe, da sonst der Start-Taxpunktwert
entsprechend dem Rahmenvertrag automatisch reduziert wird,

  • die Verpflichtung zum elektronischen Austausch der
Rechnungsdaten mit den Kassen, der auch bei Beibehaltung des
Tiers garant zu gewährleisten ist.

Mitsprache dank eigenen Daten

Die für eine Frist von 18 Monaten nach Einführung des Tarmed geforderte Kostenneutralität wird im Auftrag des Bundesamtes für Sozialversicherung durch den Kassenverband santésuisse überprüft. Danach sind, basierend auf den Kostenentwicklungen in den Kantonen, die definitiven kantonalen Taxpunktwerte festzulegen, wobei diese gemäss KVG so lange «eingefroren» werden, bis die allgemeine Teuerung eine Anpassung zulässt - was allenfalls Jahre dauern kann.

Dank eigenen Daten erhalten die Kantonalgesellschaften das Recht, diese in die Tarifverhandlungen einzubringen und ihren Standpunkt zu vertreten. Was auch deshalb wichtig ist, weil zum Beispiel die Reduktion des Start-Taxpunktwerts um einen Rappen eine Umsatzeinbusse von einem Prozent zur Folge hat - wiederkehrend, notabene. Es liegt daher im Interesse der Ärzteschaft sowie ihrer Verbände und Organisationen, die Kostenentwicklungen selbst zu ermitteln, um den Statistiken der Versicherer endlich eigene Daten entgegensetzen zu können. Kurz: Datenparität soll nicht mehr länger Utopie bleiben, sondern Realität werden.

Datenfluss und Datenschutz

Die Funktion der TrustCenter besteht hauptsächlich darin, die Rechnungsdaten der Arztpraxen auf elektronischem Wege einzusammeln und systematisch auszuwerten. Zudem können die Daten den Kassen als elektronische Kopien der Patientenrechnungen zur Verfügung gestellt werden. Da diese Daten ausschliesslich in anonymisierter Form an das TrustCenter gelangten - und zwar lediglich Leistungs-, nicht aber Diagnosedaten -, sind dabei auch die Anforderungen der Schweigepflicht und des Datenschutzgesetzes erfüllt.

Wie bisher werden die Leistungen nach dem Tiers-garant-Prinzip den Patienten fakturiert, welche die erstattungsberechtigten Rechnungen, die neu mit einem optisch lesbaren Barcode gekennzeichnet sind, an ihre Kasse weiterleiten. Durch den Barcode können diese die elektronische Rechnungskopie im zuständigen TrustCenter einfordern und die notwendigen Prüfungen vornehmen, wobei eine manuelle Erfassung der einzelnen Rechnungspositionen überflüssig wird. Auf diese Weise kann nicht nur der elektronische Datenaustausch im Tiers-garant-System sichergestellt, sondern auch die bisherige Abhängigkeit von der Abfertigungs- und Zahlungsbereitschaft der Kassen überwunden werden.

Optimierte Tarifanwendung

Das TrustCenter wird in erster Linie den frei praktizierenden Ärztinnen und Ärzten dienen, die sich im unsicheren Umfeld des Tarmed neu zu orientieren haben. Dank einem ausgeklügelten, monatlich aktualisierten «Praxisspiegel» wird es möglich sein, die eigene Anwendung des Tarmed mit jener von Kolleginnen und Kollegen derselben Fachgruppe zu vergleichen und zum Beispiel die Verteilung und Häufigkeit einzelner Positionen statistisch zu analysieren. Dabei erfolgt diese Interpretation auf der Basis von anonymisierten, lokalen, kantonalen und nationalen Referenzzahlen, was eine proaktive Optimierung der Tarifanwendung möglich macht - nicht zuletzt auch zur Einhaltung der geforderten Kostenneutralität. Zudem können die von den TrustCentern erstellten Statistiken auch einen präventiven Schutz vor Regressforderungen der Versicherer bieten, da sie wesentlich detaillierter als die Erhebungen einzelner Kassen oder die Statistiken von santésuisse sind.

Föderalismus statt Zentralismus

Nachdem eine nationale Lösung sicher weniger Akzeptanz gefunden hätte als regional verankerte Datensammelstellen, liegt die Entscheidung nun bei den kantonalen Ärztegesellschaften, wo, wie und mit wem ein TrustCenter aufgebaut werden soll. Dabei kann aber auch dieses förderalistische Konzept von gesamtschweizerisch wirksamen Synergien profitieren, indem zum Beispiel überall mit dem gleichen EDV-System gearbeitet wird, womit auch die Konsolidierung der Daten auf nationaler Ebene gewährleistet ist.

Die Frage, wie viele Datensammelstellen schliesslich entstehen werden, wird sich vor allem auch politisch entscheiden. Im Rahmen der umfangreichen Vorarbeiten, die Newindex geleistet hat, ist allerdings deutlich geworden, dass ein TrustCenter nur dann mit einer vernünftigen Kostenstruktur arbeiten kann, wenn es für ein Einzugsgebiet von 700 bis 1000 Arztpraxen zuständig ist - was die Beteiligten sicher zusätzlich zu Kooperationen und Zusammenschlüssen motivieren wird.

Einladung zur Partizipation

Zurzeit sind bereits eine ganze Reihe von TrustCenter-Projekten in der Planungs- und Realisierungsphase (siehe Kasten). Wie auch immer sich diese schliesslich organisieren werden, fest steht dabei, dass die Ärzte selber darüber bestimmen, ob die von ihnen gelieferten Daten nur im kantonalen Bereich verwertet werden dürfen oder ob sie den Dachverbänden auch im nationalen Rahmen zur Verfügung stehen. Und fest steht zudem - last, not least -, dass alle TrustCenter, deren Aufbau in Zusammenarbeit mit Newindex erfolgt, den Ärztinnen und Ärzten die Möglichkeit bieten, durch die Zeichnung von Aktien zu mitspracheberechtigten Partnern zu werden. Sie sind herzlich dazu eingeladen!

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checkup 18/2003

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